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 Akute Belastungsreaktion
Natürliche Stressreaktion eines normalen Menschen auf ein außergewöhnliches Ereignis. Wenn eine Situation vom Menschen als bedrohlich eingeschätzt wird oder die eigenen Möglichkeiten zur Bewältigung der Situation als nicht ausreichend eingestuft werden, reagiert der Körper sofort und bis zu 24 Stunden nach dem Ereignis mit massiven Stress-Symptomen (z.B. Zittern, Schwitzen, Atemnot, eingeengte Wahrnehmung, Denkblockaden, Angst, Zorn, Desorientierung) Die eigenen Bewältigungs- und Abwehrmechanismen beginnen jedoch meist innerhalb eines Tages zu wirken, so dass die Stresssymptome merklich abnehmen und schließlich vollkommen verarbeitet werden.

Basisnotfallnachsorge
Zusätzlich ausgebildete Einsatzkräfte leisten Opfern, Angehörigen oder Zeugen eines kritischen Ereignisses "psychische Erste Hilfe" (Zeitdauer: ca. 30 Minuten) innerhalb der ersten Stunden des Einsatzes bis zum Eintreffen geeigneter psychosozialer Fachdienste. (z.B. Kriseninterventionsteams, SbE®-Teams) Basisnotfallnachsorge als Erste-Hilfe-Maßnahmen für die Seele überbrückt die Zeit bis zur Einleitung weiterer Betreuungsmaßnahmen. Wie die körperliche Erste Hilfe kann die psychische Erste Hilfe oft entscheidend für den weiteren Verlauf der Symptome sein. Eine einfache Maßnahme zu Beginn der "Verletzung" kann auch hier aufwendige "Operationen" im späteren Verlauf unnötig machen.

Belastender Einsatz
Siehe "kritisches Ereignis".

Critical Incident Stress Management
Mehrstufiges, integriertes System von Interventionsmöglichkeiten, um der Entwicklung von psychischen Beeinträchtigungen nach kritischen Ereignissen und belastenden Einsätzen vorzubeugen. Das Critical Incident Stress Management - Konzept wurde von Jeffrey T. Mitchell und George S. Everly speziell für die Anwendung bei Einsatzkräften von Feuerwehren, Rettungsdiensten und anderen Einsatzkräften entwickelt. Prof. Mitchell war ursprünglich Berufsfeuerwehrmann. Das CISM-Konzept zeichnet sich durch Praxisnähe aus und wird seit über 20 Jahren vor allem bei nordamerikanischen Einsatzkräften in der Stressbewältigung nach belastenden Einsätzen erfolgreich angewandt. Die meisten Maßnahmen des CISM-Konzepts sind Einzel- oder Gruppengespräche von betroffenen Einsatzkräften mit anderen, in psychosozialer Betreuung speziell ausgebildeten Einsatzkräften (Peers). Psychosoziale Fachleute unterstützen die verschiedenen Maßnahmen. Präventive Maßnahmen (z.B. Ausbildungen von Einsatzkräften als Vorbereitung auf möglichen Stress) werden in dem CISM-Konzept mit nachsorgenden Maßnahmen (z.B. Gruppengespräche, Einsatzbesprechungen nach einem kritischen Ereignis) kombiniert. Keine der Maßnahmen hat therapeutischen Charakter!

CISM - individuelle Unterstützung
Speziell ausgebildeten Einsatzkräfte (Peers) intervenieren bereits während des kritischen Einsatzes bei anderen Einsatzkräften, wenn sie merken, dass erhebliche Stress-Symptome die Einsatzfähigkeit des Helfers beeinträchtigen. In einem kurzen individuellen ("eins zu eins") Gespräch wird die betroffene Einsatzkraft in der Stressverarbeitung unterstützt und angeleitet um die Einsatzfähigkeit wiederherzustellen oder aufrechtzuerhalten.

CISM - Defusing
Das Defusing findet in der Regel wenige Stunden nach einem belastenden Einsatz statt. Einige besonders geschulte Einsatzkräfte (Peers) führen, eventuell mit Unterstützung einer psychosozialen Fachkraft (z.B. Arzt, Psychologe,...), ein strukturiertes Gruppengespräch mit den belasteten Einsatzkräften um praktische Hilfestellungen im Umgang mit dem Erlebten zu geben. Idealerweise wird das Defusing in den ersten zwölf Stunden nach dem kritischen Ereignis durchgeführt und dauert nur ca. 30-60 Minuten.

CISM - Debriefing
Das Debriefing ist auch ein strukturiertes Gruppengespräch zwischen speziell ausgebildeten Einsatzkräften und traumatisierten Helfern. Das Debriefing wird immer von einer psychosozialen Fachkraft geleitet und findet in der Regel zwischen sechs bis zehn Tage nach dem belastenden Einsatz statt. Bis zu 20 betroffene Einsatzkräfte werden innerhalb von 2,5- 3 Stunden über sieben Phasen in der Stressbewältigung unterstützt. Dabei geht es in erster Linie darum, das Erlebte mit den Anderen auszutauschen, sich praktische Hilfestellung von den erfahrenen Kameraden zu holen und gemeinsam in den Alltag zurück zu kehren.

CISM - Demobilisierung
Die Demobilisierung kann nach Groschadenereignissen, Katastrophen oder Krisensituationen durchgeführt werden, welche die Alarmierung einer sehr großen Zahl von Einsatzkräften notwendig machen. Als Einsatzabschluss werden den abrückenden Einsatzkräften einige Informationen über Stressverarbeitung allgemein und mögliche Probleme mit den dazu passenden Hilfsangeboten mitgegeben. Dabei wird auch Essen, Getränke und eine Ruhemöglichkeit bereitgestellt. In vielen Bereichen ist die Demobilisierung daher eine allgemeine Betreuungs- und Fürsorgemaßnahme.

 CISM - Familienunterstützung
Ein traumatischer Einsatz belastet oft nicht nur den eingesetzten Helfer sondern in der Folge auch seine Familie. Die Familie kann eine der wichtigsten Ressourcen in der Stressbewältigung sein. In verschiedenen Maßnahmen der CISM - Familienunterstützung wird diese wichtige Gruppe unterstützt, informiert und angeleitet, denn oft kann niemand besser einer belasteten Einsatzkraft helfen als die eigene Familie! Auf der anderen Seite wird die Familie von traumatisierten Helfern auch besonders mitbelastet und benötigt selbst Hilfsangebote.

 Feuerwehrseelsorge
Haupt- und nebenberufliche Seelsorger/innen und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen der Seelsorge mit kirchlich anerkannten Ausbildungen unterstützen speziell die Einsatzkräfte der Feuerwehren. Einige Feuerwehren haben hierzu speziell einen Fachberater "Seelsorge" ernannt.

 International Critical Incident Stress Foundation (ICISF)
Internationalen Dachorganisation für Stressverarbeitung nach kritischen Ereignissen mit Sitz in Ellicott City, Maryland. Die ICISF entwickelt das Critical Incident Stress Management - Konzept weiter und koordiniert die Arbeit von rund 400 Kriseninterventions- und SbE-Teams in rund zwanzig Ländern der Erde. Offizielle Beratungsorganisation für Stressverarbeitung nach kritischen Ereignissen der Vereinten Nationen.

 Kriseninterventionsteam
In Deutschland wird unter Krisenintervention mittlerweile die psychosoziale Betreuung von akut traumatisierten Personen durch speziell ausgebildete Helfer der Rettungs- und Hilfsorganisationen verstanden. Kriseninterventionsteams verwenden in ihrer Arbeit oft auch Methoden des CISM-Konzepts, richten sich in erster Linie aber nicht an betroffene Einsatzkräfte sondern an Angehörige von Unfallopfern, physisch unverletzte Opfer oder andere Augenzeugen einer belastenden Situation. In der Regel dauert eine Krisenintervention nur etwa 1 bis 2 Stunden nach einem Ereignis und ist im Ablauf sehr variabel.

 Kritisches Ereignis
Ein Ereignis (engl. critical incident), das die gewohnten Bewältigungsmechanismen potenziell überfordert, was zu psychischer Stressbelastung und der Beeinträchtigung der normalen Situationsanpassung führen kann. Ob ein Einsatz ein "kritisches Ereignis" ist oder nicht hängt von der individuellen Wahrnehmung der Einsatzkraft ab. Allerdings gibt es eine Reihe von Indikatoren die von außen einen Einsatz als kritisches Ereignis qualifizieren lassen (z.B. Tod oder Verletzung von Kindern, Tod/ schwereVerletzung von Kameraden im Einsatz, persönliche Bekanntschaft mit Unfallopfern, viele Leichen, Leichenteile oder Schwerverletzte im Einsatz, ...).

 Mental Health Professional (MHP)
Siehe "Psychosoziale Fachkraft".

 Notfallseelsorge
Die Tätigkeit von speziell ausgebildeten, hauptberuflichen Seelsorgern der katholischen und evangelischen Kirche. Die Notfallseelsorge geschieht aus einem explizit kirchlich-seelsorgerischem Selbstverständnis heraus und ist in der Regel Teil der Gemeindeseelsorge. Zielgruppe der Notfallseelsorge sind alle akut traumatisierten und trauernden Personen. Dies können auch Menschen aus dem Bereich der Einsatzkräfte sein. (siehe Feuerwehrseelsorge).

 Peer (Helfer für Belastungsbewältigung)
Eine deutsche Übersetzung kann nur ungenau die Bedeutungen wiedergeben, die der amerikanische Originalbegriff beinhaltet: "A companion, fellow, a person who has equal standing with another, as in rank, class or age". Im Zusammenhang mit Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen wird der Begriff Peer (Helfer für Belastungsbewältigung) für speziell nach dem CISM-Konzept ausgebildete Einsatzkräfte verwendet, die andere Einsatzkräfte bei der Stressbewältigung unterstützen. Diese Peers sind die eigentlichen Träger aller Interventionsmaßnahmen und werden durch psychosoziale Fachkräfte angeleitet und unterstützt. Idealerweise ist ein Peer eine Einsatzkraft mit weitreichender Einsatzerfahrung und hoher sozialer Kompetenz. Erfahrungsgemäß vertrauen sich belastete Einsatzkräfte eher einer anderen Einsatzkraft an als einem externen Helfer, Psychologen oder Arzt. Außerdem können als Peers ausgebildete Einsatzkräfte aus ihrer eigenen Erfahrung heraus die Belastungen der Kollegen meist am besten einschätzen.

 Posttraumatische Belastungsstörung
Die Posttraumatische Belastungsstörung (engl. Posttraumatic Stress Disorder) ist die schwerste und lähmendste Form aller menschlichen Stressreaktionen. Sie führt zu erheblichen psychischen und physischen Beeinträchtigunge, ist weltweit als Krankheit anerkannt und in den Diagnostikleitfäden (DSM IV, ICD 10) eindeutig beschrieben. Die Posttraumatische Belastungsstörung wird in der Regel durch ein Erlebnis ausgelöst, das weit außerhalb des "normalen" menschlichen Erfahrungsspektrums liegt und bei dem die Reaktion der Betroffenen Angst, Schrecken und/oder Hilflosigkeit beinhaltet. Massive körperliche, emotionale und geistige Symptome beeinträchtigen den Betroffenen erheblich in seiner Lebensqualität und führen regelmäßig bei Einsatzkräften zur Dienstunfähigkeit.

 Primäre Prävention
Unter primärer Prävention werden alle Maßnahmen verstanden die vor einem kritischen Ereignis durchgeführt werden um Bewältigungprobleme der Einsatzkräfte zu verhindern. In erster Linie sind diese Einsatzvorbereitungen umfangreiche Ausbildungen über Stress im Einsatz, mögliche Stressreaktionen und geeignete Bewältigungsmaßnahmen. Eine geeignete primäre Prävention bereitet die Einsatzkräfte auf Belastungen vor und kann damit übermäßige Belastungsreaktionen verhindern. Stichwort: "Vorsorgen ist besser als heilen."

 PSNV
Psychosoziale Notfallversorgung ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen zur Verhinderung stressbedingter Belastungen. Schließt die Maßnahmen für Einsatzkräfte und Zivilpersonen wie Opfer, Augenzeugen oder Angehörige, ein. Die PSNV umfasst die Vorbereitung auf kritische Ereignisse (primäre Prävention) und die psychosoziale Unterstützung (PSU) in und nach dem Ereignis.

 PSU
Psychosoziale Unterstützung ist die Bezeichnung für alle Akutmaßnahmen in und nach einem kritischen Ereignis, sowohl für Einsatzkräfte wie für Zivilpersonen, Opfer und Angehörige.

 Psychosoziale Fachkraft
Psychosoziale Fachkräfte (engl. Mental Health Professionals) kommen in der Regel aus den akademischen Heilberufen (z.B. Psychologen, Fachärzte). Neben der akademischen Ausbildung muss eine Zusatzausbildung im Critical Incident Stress Management - Konzept nachgewiesen werden. Idealerweise sollte zusätzlich eine psychotherapeutische Zusatzqualifikation absolviert werden. Die Psychosozialen Fachkräfte arbeiten mit den Peers zusammen und leiten in der Regel die Gruppeninterventionen. Sie stehen den Betroffenen als Ansprechpartner für mögliche weitere Nachsorgemaßnahmen zur Verfügung.

 Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen
Die "Bundesvereinigung Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen e.V." ist Kooperationspartner der ICISF. In Deutschland wird vielfach die Abkürzung "SbE" als Synonym für den englischen Originalbegriff "CISM" verwendet. Viele deutsche SbE- Teams führen Interventionsmaßnahmen in der Betreuung von Einsatzkräften in Anlehnung an das Critical Incident Stress Management - Konzept durch.

 Sekundäre Prävention
Maßnahmen die einer Vorsorge möglicher Störungen in der Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen dienen und zeitlich zwischen dem Ereignis und einer tatsächlichen Ausprägung einer (krankhaften) Störung liegen, werden der sekundären Prävention zugeordnet Damit fallen fast alle Interventionsmaßnahmen des CISM- Konzeptes in den Bereich der sekundären Prävention. Nach einer tatsächlichen Ausprägung einer Stressfolgestörung, wie z.B. der Posttraumatischen Belastungsstörung sind die Maßnahmen des CISM - Konzeptes nicht mehr wirksam, hier bedarf es in der Regel therapeutischer Hilfestellungen. Maßnahmen der sekundären Prävention sind die Reaktion auf ein kritisches Ereignis und sollen die eigene Stressbewältigung der Betroffenen unterstützen.

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