Atemschutz

Brandhaus am 20. + 21.07.2017

 

Die Aus- und Fortbildung wird bei uns groß geschrieben. Darum waren am 20. und 21. Juli 2017 zwei unserer Kameraden an der Staatliche Feuerwehrschule Würzburg, wo sie einen Lehrgang im Brandhaus besuchten.

Die Elite der Feuerwehr!

Was tun wenn es brennt? Klar, löschen!

 

Aber wie sieht es im Haus aus?
Wo brennt es?
Befinden sich noch Personen im Gebäude?
Kommt man durch die starke Rauchentwicklung nahe genug an den Brandherd?

 

Einfach so reingehen? Nein, das geht nicht!

 

Um all diese Aufgaben zu erledigen wird der Atemschutzgeräteträger benötigt, da er unabhängig von der Raumluft mit einem Pressluftatmer in ein verrauchtes Gebäude gehen kann. Dafür muss er aber eine spezielle Ausbildung durchlaufen und sich an besondere Einsatzbedingungen gewöhnen, denn egal ob groß oder klein, Frau oder Mann, jeder muss zu seinem normalen Körpergewicht durch die Atemschutzausrüstung noch ein Zusatzgewicht von ca. 25 kg mitnehmen.

 

Zunächst muss der angehende Atemschutzgeräteträger seine gesundheitliche Eignung bei einem Betriebsmediziner unter Beweis stellen. Diese Eignungsuntersuchung muss spätestens nach 3 Jahren wiederholt werden.

 

Die psychischen und physischen Belastungen werden regelmäßig u.a. in der Atemschutzübungsanlage trainiert, die von jedem Atemschutzgeräteträger mindestens einmal jährlich durchlaufen werden muss. Dabei hat der Geräteträger einen kleinen Gesundheitscheck mit allgemeinen Fragen, Blutdruck- und Pulsmessung sowie den Anfangsbelastungtest durchzuführen. Dieser soll die Strapazen bis zum Erreichen des Einsatzorts simulieren und beinhaltet u.a. eine Endlosleiter, ein Fahrrad (Ergometer), einen Stepper oder ein Laufband.

 

Danach geht es im 2-Mann-Trupp mit Handlampe und Funkgerät weiter in die vollkommen dunkle Übungsstrecke. Zuerst geht es durch einen Tank, danach folgt die Hitzekammer im Kriechgang. Hier wird die Belastung durch starke Hitze der eines Feuers nachempfunden. Anschließend folgt die „normale“ Übungsstrecke. In diesem Teil gibt es verschieden Hindernisse. wie z.B. Reifen und Schrägen. Sie muss aufrecht, kriechend oder gleitend auf dem Bauch durchforstet werden. Es geht durch Schiebe- und Falltüren, eine schmale Röhre und durch schmale „Fenster“. Das alles mit kompletter Ausrüstung. Hier bleibt man auch mal mit der Flasche hängen oder steckt fest. Wird es zu eng, muss das Gerät vom Rücken abgenommen werden und dann vor sich hergeschoben werden. Es herrscht vollkommende Dunkelheit, Luft kommt nur durch die Maske aus der Flasche, kleine Lichtblitze und Geräusche wie schreiende Menschen stellen die psychische Belastung dar. Zum Abschluss des Durchganges kommt ein komplett vernebelter Raum mit Schränken, Betten und anderem Mobiliar, der nach verletzten Personen durchsucht werden muss. Zum Schluss geht es nochmals auf eines der 4 Anfangsgeräte. Danach ist man im wahrsten Sinne des Wortes fertig. Nach so einem Durchgang hat man ca. 600 kcal verbraucht und sich sein Abendessen nach diesem Sportprogramm redlich verdient.

 

Von den derzeit 52 Aktiven der Feuerwehr Marktleugast erfüllen 12 Kameraden die Voraussetzung als Atemschutzgeräteträger (abgeschlossene Ausbildung, aktuelle Eignungsuntersuchung sowie die Teilnahme am jährlichen Streckendurchgang). Drei weitere junge Feuerwehrkameraden werden noch in diesem Jahr die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger absolvieren.

 

Stehend v.l. Andreas Greim, Peter Schaller, Christoph Sokol, Kai Wiesemann, Manuel Rödel, Carolin Mähringer, Marcel Bauer, Daniel Schramm

Sitzend v.l. Justin Diering, Marco Rödel, Lorenz Schramm

Es fehlen: Martin Döring, Uwe Keller, Pamela Richter, Jürgen Süß

 

Damit beim Atemschutz alles reibungslos funktioniert braucht es eine gute Organisation:

 

Carolin Mähringer

 

ist bei unserer Feuerwehr Marktleugast Gruppenführerin und die Leiterin des Atemschutzes. Sie organisiert die Streckendurchgänge und Übungen, kümmert sich um die Funktionsfähigkeit der Atemschutzausrüstungen und sorgt dafür, dass alle Atemschutzgeräteträger über eine aktuelle Eignungsuntersuchung verfügen und jährlich ihren Streckendurchgang durchführen. Auch das Anwerben neuer Atemschutzgeräteträger und die Anmeldung zum Lehrgang gehört zu ihren Aufgaben.

 

Die gute Resonanz beim Atemschutz zeigt, dass Sie ihre Aufgabe sehr engagiert wahrnimmt und eine hervorragende Arbeit leistet.

 

Doch wie sieht es tagsüber mit der Einsatzbereitschaft unseres Atemschutzes aus? Viele der Atemschutzgeräteträger arbeiten außerhalb von Marktleugast und können deshalb tagsüber bei einer Alarmierung nicht rechtzeitig zum Ausrücken am Feuerwehrhaus sein, weshalb es im Ernstfall durchaus zu Engpässen kommen könnte.

 

Zum Glück gibt es aber auch das folgende Beispiel (Nachahmung erwünscht):

 

Pamela Richter

 

Die 29-jährige ist bei ihrer Heimatfeuerwehr Lippertsgrün (bei Naila) ausgebildete Atemschutzgeräteträgerin und Gruppenführerin, sowie Kassier des Feuerwehrvereins. Seit zwei Jahren arbeitet die Bankkauffrau bei der Raiffeisenbank Oberland eG und ist dort in der Marktfolge unter anderem für das Controlling und die technische Unterstützung der Online-Banking-Kunden zuständig. Im letzten Jahr hat sie sich bereit erklärt, unsere Feuerwehr Marktleugast bei Einsätzen zu unterstützen und konnte schon mehrmals mit uns ausrücken.

 

Durch die Nähe ihres Arbeitsplatzes zum Feuerwehrhaus ist sie nach der Alarmierung immer eine der Ersten am Feuerwehrhaus. Für dieses, nicht selbstverständliche Engagement und die Bereitschaft, das Risiko beim Einsatz für die Bürger einer fremden Gemeinde auf sich zu nehmen, möchten wir ihr ganz herzlich danken. Doch unser Dank gilt auch den Vorständen der Raiffeisenbank Oberland eG (Ralph Goller und Peter Girndt), die dieses ehrenamtliche Engagement während der Arbeitszeit wohlwollend unterstützen.

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